Kokzidien

 

Die Kokzidiose gehört zu den bedeutendsten parasitären Erkrankungen der Nagetiere. Sie kommt praktisch in jeder Haltungs- und Nutzungsform vor. Kokzidien sind Einzeller, die in den Zellen der Darmschleimhaut ( Darmkokzidiose ) oder der Gallengänge ( Leberkokzidiose ) leben und sich dort vermehren.

 

Kokzidien entwickeln sich in einem mehrphasigen, komplizierten Zyklus, an dessen Ende so genannte Oocysten mit dem Kot ausgeschieden werden. Diese reifen  innerhalb von drei bis sechs Tagen im Einstreu oder Heuresten und werden dann als infektionstüchtige Stadien von anderen Tieren aufgenommen. Größte Verbreitung besteht bei den Chinchillas dadurch, dass der infizierte Kot gefressen wird. Kokzidien sind sehr tückisch!!!  Viele Chinchillas sind mit den Erregern der Darmkokzidiose latent infiziert, das heißt, sie scheiden die Erreger in großen Mengen aus, ohne selbst zu erkranken!!! Bei einer Belastung z.B durch Stress, einer Erkrankung, Futterumstellung, bei Transport und/oder neuer Umgebung kann die Krankheit ausbrechen! Eine Kokzidien Erkrankung beim Chinchilla macht sich oftmals nur durch eine Gewichtabnahme und oder Durchfall bemerkbar.

 

Kokzidien unter dem Mikroskop
Eimeria chinchillae

Kokzidie
1000-fache Vergrößerung 

Bei geringem Befall verläuft die Erkrankung meist unbemerkt. Sind aber ausgedehnte Darmschleimhautbezirke durch Kokzidienbefall entzündet, kann die Nahrung nicht mehr richtig verdaut- und ausgenutzt werden. Das Chinchilla magert ab!!! Ist die Darmflora durch den Befall von Kokzidien geschädigt, können sich auch andere bakterielle Infektionen rasch ausbreiten. Dies ist meist mit starker Gasbildung im Darm verbunden und kann dann sehr schnell zum Tod des Tieres führen!

 

Leberkokzidiose

Leberkokzidiose
400-fache Vergrößerung

 Leberkokzidiose
1000-fache Vergrößerung

Bei der Leberkokzidiose steht eine ausgedehnte - und schlimme  Entzündung der Gallengänge -, sowie eine Leberschwellung im Vordergrund. Bei dieser Form der Kokzidiose sind ältere Chinchillas stärker betroffen als junge. In einem Tier können asynchron Infektionen mit verschiedenen Kokzidien-Arten gleichzeitig ablaufen.

 

Wiederstandfähigkeit

Die Oocysten sind sehr widerstandsfähig und können in unsauberen Käfigen im ungünstigen Fall bis zu 10 Jahren überleben!  Oocysten können jedoch keine Hitze vertragen, bei 60 Grad sterben sie innerhalb weniger Sekunden ab! Käfige, die mit einem Heißdampfstrahler ausgespritzt werden können, sind am leichtesten zu desinfizieren. Am besten eignet sich hierzu die Dampfente SC 952 von Kärcher, diese entwickelt einen Wasser Dampf von über 110° Grad. Bei Chinchilla Käfigen, die hingegen aus Holz gebaut sind, sollten die Sitzbretter - vor allem die, die feucht sind - entfernt bzw. erneuert werden.

Grünfutter wie z.B. Heu, sollte grundsätzlich nicht mit Einstreu in Berührung kommen und über Futterraufen angeboten werden. Leider gibt es nur sehr wenige Futterraufen die geeignet sind! ( wir benutzen inzwischen eine „Eigenentwicklung von Heuraufen“ )

 

Neuerworbene Tiere - Kotprobe

Neu erworbene Chinchillas sollten grundsätzlich erstmal in einem separaten Käfig untergebracht werden, bis durch eine Kotprobe (am bestens Sammelprobe über drei Tage) auf Kokzidien und andere Parasiten untersucht wurde. Wir lassen grundsätzlich von jedem neu erworbenen Tier eine bakteriologische-, parasitologische- , und Chlamydien-Untersuchung (eigenstädige und Laboruntersuchung) durchführen!

Gleichzeitig lasse wir auch ein Antibiogramm erstellen, falls ein Befund vorliegt. (dies geschieht oftmals sogar automatisch!!!) Eine solche ausführliche Untersuchung kostet pro Probe zwischen 45 bis 85 Euro. – Ein Preis, der jedem Wert sein sollte, dem was am Wohle der Tiere liegt!!!

   

Mögliche Medikamente bei Befall

( auf jeden Fall den Tierarzt befragen!!! )

  1. Amprolium 5 mg/kg LM über 21 Tage
  2. Decoquinat 0,5 mg/kg LM über 21 Tage
  3. Monensin (RUMENSIN) 0,25 mg/kg über 31 Tage 15 g/t Futter
  4. Toltrazuril (BAYCOX) 20 mg/kg oral oder übers Trinkwasser

 

Wir empfehlen aus eigenen Erfahrung Baycox von der Firma Bayer. Es ist sehr effektiv und kann übers Trinkwasser stressfrei der kompletten Haltung schnell und einfach verabreicht werden. Durch die hohe Wideransteckungsgefahr sollte nach 2 bis 3 Wochen nachbehandelt - und nochmals eine Kotsammelprobe eingeschickt werden.